Chronik 1912-2012

100 Jahre Naberner Sportgeschichte

 

Der Sportverein Nabern feierte 2012 sein 100-jähriges Bestehen.

Dieser Rückblick gibt eine Übersicht über den Werdegang des Sportbetriebs in Nabern, der eigentlich bereits 1902 seine Entwicklung nahm. Jene erste Naberner Sportorganisation nannte sich Militärverein. Neben dem Schießsport hatte auch das Singen gehört, das als kameradschaftliche und gesellige Zusammenkunft und Unterhaltung diente. Notenblätter aus dieser Zeit wurden noch vom 1952 gegründeten Gesangverein verwendet. Im ersten Weltkrieg werden die Aktivitäten dieses Vereins eingestellt. Seine Fortsetzung hat der Verein durch den im Jahr 1923 gegründeten Schützenverein erfahren.
Neben dem Militärverein wurde am 28.7.1912 unter Schultheiß Jäger in der rein bäuerlichen Gemeinde Nabern mit rund 420 Einwohnern der Turnverein Nabern ins Leben gerufen. Christian Rueß, ein aus Kirchheim stammender Aktivist, fungierte als erster Vorstand neben Wilhelm Epple als Turnwart. Die ersten 21 Mitglieder betrieben die Sportarten Turnen und Leichtathletik mit ersten sichtbaren Erfolgen beim Turnfest 1914 in Ötlingen. Gegen große Widerstände, auch aus den Reihen des rein aus Landwirten sich zusammensetzenden Gemeinderats, hat sich der Turnverein behauptet. Man sah in den Turnern “Faulenzer, die besser auf dem Acker arbeiten sollten!“ Im Sommer wurde im Freien geturnt, im Winter in einer Scheuer, die in der Ortsmitte sich befand (neben dem Gasthaus Rössle).
1920 wurde wegen der Anlage eines Schwimmbades mit den dafür zuständigen Behörden verhandelt. Nach erteilter Genehmigung ging’s an die Arbeit, die von den Mitgliedern selbst mit beispielhaftem Eifer und großer Begeisterung geleistet wurde. Für die finanzielle Seite wurden neben Zuschüssen der Gemeinde von den Mitgliedern sogenannte Bausteine gezeichnet. Nach Überwindung vieler Schwierigkeiten wurde das vom Turnverein erstellte, erste Schwimmbad des Oberamts Kirchheim, im Jahr 1921 in feierlicher Form eingeweiht. (Schwimmbadeinweihung in Kirchheim war erst 1927!). Das Schwimmbad, am Ortsrand gegen Weilheim im ehemaligen Gänsegarten gelegen, konnte jedoch nicht lange gehalten werden. Das Bad war bei der schwankenden Wasserführung des Gießnaubachs bald verschmutzt und verschlammt. Die Unterhaltungskosten waren bei dem kleinen Badebetrieb zu hoch. Nachdem noch eine Aufsicht durch einen Bademeister verlangt wurde, sah sich der Verein gezwungen, das ausgehobene Becken 1925 wieder aufzufüllen.
Im Jahr 1923, als eine Brezel 800 Millionen kostete, wurde zur Pflege des Schießsports ein Schützenverein in Nabern gegründet. Obwohl vielfach dieselben Personen als Mitglieder dem Sportverein zugehörten, war es ein selbstständiger Verein, der eher als Fortsetzung des Militärvereins anzusehen ist. Nach vorübergehenden unzulässigen Schießständen am Oberen Wasen beim Pfarrbänkle und in der Nähe des Egelsberges erbaute sich der Verein 1926 seinen Schießstand im ehemaligen Schwimmbadgelände. Ab dem Jahr 1933 übten Schieß- und Turnverein auf dem ehemaligen Schwimmbadgelände. Beide Vereine mussten sich auf Anweisung um Dritten Reich zu einem Verein bis 31.3.33 zusammenschließen. Der Zweite Weltkrieg setzte diesem zusammengeschlossenen Verein ein Ende durch ein Kontrollratsgesetz der Militärregierung.
Zur Weiterführung der sportlichen Tätigkeiten wurde am 1.8.1948 der Sportverein Nabern gegründet (Bürgermeister Kreher) Um eine Vielfalt von Vereinen zu vermeiden, gliederte sich der Verein in mehrere Abteilungen. Fußball, Tischtennis, Turnen, Theater, Musik. Die Turnabteilung wurde aber nie tätig. Die Fußballabteilung, anfangs sehr aktiv, hatte in B- und C-Klasse erfolgreich gespielt. Als Sportplatz wurde von der Gemeinde ein Gelände in den Hanfwiesen zur Verfügung gestellt. Dieses wurde von den Vereinsmitgliedern eingeebnet. Es wurde dort, zwischen der heutigen Garten- und Seestraße, manche Fußballschlacht geschlagen. Auch ein Leichtathletik-Fest erlebte dieser Platz. Auf den Platz wurden die Hütten des ehemaligen Schwimmbadgeländes aufgestellt. 1951 wurde dieses Sportgelände Baugelände. Durch Abwanderung guter Fußballspieler kam der Verein in Spielernot und meldete die Aktivitäten beim Landessportbund 1952 ab. Die Tischtennisplatte wurde der Schule übergeben. In dieser Zeit, dem Umbruch von der landwirtschaftlichen zur industriellen Gemeinde, waren die Geldmittel aber auch so knapp, dass mehrere Vereine in der Gemeinde nicht tragbar erschienen.
Durch die Gründung eine Gesangvereines 1952 wurden Mitglieder des Sportvereins hier dann tätig. Die im Sportverein unermüdliche Theatergruppe gestaltete von nun an die Winterunterhaltungen des Gesangvereins.
Mit der neuen Schule, die am 9.5.1964 eingeweiht wurde, stellt die Gemeinde die Schulturnhalle auch dem außerschulischen Sportleben zur Verfügung. Der Turnverein Bissingen hält hier Sportstunden ab (Knaben- und Mädchenturnen, Jungmänner- und Frauenturnen sowie Tischtennis), bis Bissingen 1967 eine eigene Turnhalle erhält. Im Saal des Gasthauses Hirsch versammelten sich um Emil Weber ein paar Tischtennisverrückte, die auf drei selbst hergestellten Platten den kleinen Ball übers Netz droschen.
Am 30.11.1966 wurde wiederum auf Initiative des Bürgermeisters Kreher der jetzige Sportverein Nabern gegründet. Nabern hatte zu dieser Zeit über 1000 Einwohner und befindet sich weiterhin am Wachsen. 44 Gründungsmitglieder zeichneten sich damals in die Liste ein. Gestützt auf das größere Einwohner-Potential und dem Geschick des 1. Vorsitzenden Arno Kirchner einen großen Kreis von Idealisten für Tätigkeiten im Verein zu gewinnen, denen er zum Vorbild wurde, festigte und erweiterte sich der Verein stetig. Tischtennis ist eine der Abteilungen, die ab dem ersten Tag dabei sind.

1977 hatte der Verein 420 Mitglieder und sechs Abteilungen (Turnen, Leichtathletik, Frauengymnastik, Tischtennis, Fußball und Tennis. Besonderer Wert wurde auf die Jugendarbeit gelegt: Neben manchen Erfolgen auf der Kreisebene stellte so der SVN im Tischtennis 1971 mit Martin Pangert den Bezirksranglistensieger der Schüler und 1973 mit Karin Söckler die Wttb. Schülermeisterin. Bei der Württembergischen Rangliste der Schülerinnen in der Klasse D erreichte 1976 Elke Pangert den ersten Platz. Sie holte zwei deutsche Meistertitel im Mädchen-Doppel und Jugend-Mixed. Im Einzelwettbewerb erreichte sie den 3. Platz und wurde beste Teilnehmerin bei den Deutschen Meisterschaften. Bei der zur B-Klasse aufgestiegenen Fußballmannschaft sind sieben Spieler aus der eigenen Jugend hervorgegangen.
Die Gemeindeverwaltung und nach der Eingliederung die Stadt Kirchheim gewährte dem aufstrebenden Verein jede mögliche Unterstützung und bereits 1967 stellte sie ein Gelände zur Verfügung, auf dem der Verein ein Fußballfeld errichtete. Als die ersten Entwürfe für eine Sportanlage „Oberer Wasen“ entstanden, wurden dort bereits Tennisplätze eingeplant, obwohl das Interesse an dieser Sportart innerhalb des Vereins noch sehr gering war.
Eine Schachabteilung wurde 1968 dem Sportverein angeschlossen, die sich aber vier Jahre später selbstständig machte. Seit 1972 ist der Waldsportpfad ein Anziehungspunkt für Sportbegeisterte. Am 6.7.1975 übergab die Gemeinde den von ihr neu erstellten Sportplatz seiner Bestimmung.
Am 3. August 1975 fand die Versammlung zur Gründung der Tennisabteilung statt. Das Gründungsprotokoll weist 52 Mitglieder aus, die ein Darlehen von 750 DM zu zahlen bereit waren.

Ohne Hilfe der Stadt hätte das Sportheim nicht gebaut werden können. Aber nicht immer herrschte eitel Sonnenschein. Das Ringen um die Baugenehmigung für das Sportheim zog sich über 5 Jahre hin. Inzwischen waren die Baupreise horrend angestiegen, nicht aber die zur Verfügung stehenden Mittel. Als die Baugenehmigung dann endlich vorlag, nahm ein Industriebetrieb seine 1969 gegebene Unterstützungszusage zurück und entzog damit dem Verein die Basis der Finanzierung. Die elf Monate lange Sperrung der Turnhalle 1976/77 infolge Umbaus der Mehrzweckhalle brachte zudem einen Teil des Sportbetriebs fast zum Erliegen. Viele nächtliche Sitzungen waren die Folge, in denen nach Abhilfe gesucht wurde. Dank unermüdlicher Initiative einzelner Mitglieder konnten die gesteckten Ziele aber erreicht werden. Die Einweihung des Sportheims (5.-7.8.1977) wurde mit einem großen Fest gebührend gefeiert.
Seit 1976 bestand eine Partnerschaft mit dem französischen Fußballverein Club Sportif Tourangeau (CSTV) aus Veigné im Loiretal. Im jährlichen Wechsel wurden die Freunde aus Veigné über 25 Jahre lang besucht und empfangen.

Der SVN war 1985 inzwischen auf 840 Mitglieder angewachsen und beantragte erstmals eine erneute Vergrößerung der Gießnauhalle. 1987 wurde das 75-jährige Bestehen des SVN groß gefeiert.
Die Abteilung Fußball feierte 1992 ihr 25-jähriges Jubiläum. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war das Einlagenspiel der ersten Naberner Fußballmannschaft von 1967 sowie ein Freundschaftspiel mit der prominenten „Portas Elf“ bei der z.B. Günther Netzer, Karlheinz Förster und Wolfgang Overath auf dem Oberen Wasen aufliefen.
Mit sehr viel Eigenleistung der Tennismitglieder wurde 1992 ein wunderschönes Tennishaus gebaut und am 29. April 1993 in einem feierlichen Akt mit geladenen Gästen eingeweiht. Das Jahr 1993 wies mit knapp 270 Mitgliedern den höchsten Mitgliederstand der Tennisabteilungsgeschichte auf. Durch Einführung eines regelmäßigen „Häuslesdienstes“ an Wochenenden, Feiertagen, Wettkampftagen und sonstigen Veranstaltungen war die Platzanlage mit viel Leben gefüllt. Der Freitagabend wurde als allgemeiner Spielabend eingeführt, der bis heute Bestand hat.

Der „Breitensport“ wurde als jüngste Abteilung im Jahr 2001 beim SVN ins Leben gerufen. Ziel der Abteilung Breitensport war die Zusammenführung der nicht am Wettkampfsport teilnehmenden Abteilungen: Frauenturnen, Männerturnen, Volleyball, Leichtathletik, Walking/Nordic Walking, Kinderturnen, Aerobic/Step-Aerobic, Ski, Fitness, Langhantel-Workout, Bauchtanz, Seniorengymnastik, Tanzen, Badminton, Radfahren, Rope-Skipping, Kinderhandball und Gesundheitssport (Pilates, Beckenbodengymnastik und Wirbelsäulengymnastik). Durch den Zusammenschluss wurde der Breitensport die größte Abteilung des SVN.
Die seit 1985 laufenden Planungen wegen Sanierungs- und Erweiterungsbedarfs der Gießnauhalle wurden im Jahr 2005 konkreter: Geplant ist eine zweiteilbare Mehrzweckhalle. Der Sportverein zählte nun bereits 940 Mitglieder. Ende April 2011 kam endlich der lang ersehnte Bescheid für den Hallen-Zuschuss vom Regierungspräsidium, sodass nun die neue Gießnauhalle gebaut werden kann. Im Sommer 2013 wird die neue Gießnauhalle fertig sein. Zu Beginn der Sommerferien 2013 wird wohl dann die alte Gießnauhalle abgerissen werden.

Die 2011 in Kirchheim durchgeführte Kooperative Sportentwicklungsplanung beinhaltet auch eine langfristig angelegte Profilbildung der Teilorte. Im Sportplatzgelände Oberer Wasen sollen Tennenplatz und Rundbahn aufgegeben und durch einen Kunstrasenplatz im Anschluss an das Rasenspielfeld ersetzt werden. Neben den Tennisplätzen sollen Kleinspielfelder und eine Bewegungslandschaft geschaffen werden.

Die Tischtennisabteilung feierte 2011 die mit Abstand erfolgreichste Tischtennissaison der Vereinsgeschichte! Viermal konnte man die Meisterschaft feiern. Die 1. Damen- und 1. Herren-Mannschaft steigen beide ungeschlagen in die Landesliga auf. Die 3. Herren-Mannschaft schafft den Sprung als Meister in die Kreisliga. Und mit dem Aufstieg der 1. Jugendmannschaft in die Bezirksliga bestätigte sich die hervorragende Jugendarbeit der TT-Abteilung. Herren 1 holten zum dritten Mal in Folge den Ligapokal nach Nabern.

Die Abteilung Fußball stellte 2012 6 Mannschaften, darunter zwei aktive Mannschaften, eine Seniorenmannschaft und drei Jugendmannschaften. Über die Jahre hinweg ist die Abteilung Fußball auf 240 Mitglieder angewachsen. Im Hinblick auf die Zukunft ist es ein erklärtes Ziel, die Abteilung von der Jugend heraus noch mehr zu stärken. Dabei spielt die Entwicklung der Sportstätte „Oberer Wasen“ eine wichtige Rolle.
Heute findet jeder die passende Sportart beim SVN. Neben Fußball, Tischtennis und Tennis, bieten wir im Bereich Breitensport ein breitgefächertes, attraktives Angebot an sportlichen Aktivitäten an.
Der SVN steht für Werte, für die wir auch noch heute in dieser wechselvollen Zeit nach wie vor einstehen: Ein Sportverein für alle, ob jung oder alt. Ein Sportverein, der, wie in den vergangenen Jahrzehnten, maßgeblich zum Gemeinsinn in unserem Ort beigeträgt.

 
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